Weite Reise, schwerer Gegner

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Ein anstrengender Freitag steht den EV Lindau Islanders bevor. Nicht nur, dass sie die weiteste Auswärtsreise zu bewältigen haben. Nach knapp 450 Kilometern und fünf Stunden Fahrt wartet um 20 Uhr der Tabellendritte Selber Wölfe auf die Islanders, die am Sonntag (18 Uhr) dann zuhause die Blue Devils Weiden erwarten.

An die letzte Fahrt nach Oberfranken erinnern sich die Islanders mit gemischten Gefühlen. Mitte Oktober boten sie dem Favoriten kräftig Paroli und standen kurz vor einem Punktgewinn, ehe der Selber Treffer zum 4:3 diesen Traum 21 Sekunden vor dem Ende zerstörte. „Das war ein bitterer Moment“, erinnert sich Trainer Dustin Whitecotton, denn das Negativerlebnis hatte seinen Nachhall, sein Team verlor anschließend drei weitere Male in Folge.

Nun hat sich die Stimmung am Bodensee komplett gewandelt, weil die Form der Islanders stimmt. Mit vier Siegen in Folge haben sich die Lindauer auf Platz Sieben nach vorne geschoben und gehen die Aufgabe in Selb mit neuem Mut an. Allerdings haben sich die Kräfte nicht wirklich verschoben: Die Wölfe gewannen sechs ihrer letzten sieben Spiele, verloren nur in Sonthofen, als man beim 1:4 das erste Drittel komplett verschlief (0:3). Die Antwort folgte auf dem Fuß, durch einen 6:4- Sieg im Derby gegen Weiden, auch wenn Selb nach einer sicheren 5:1 Führung noch etwas ins Wackeln kam. Letztlich hielt aber die zweitbeste Defensive der Liga um Torhüter Niklas Deske, der drittbeste Bilanz aller Oberliga- Goalies aufweisen kann.

Was die Offensive der Oberfranken zu leisten vermag haben die Islanders in beiden bisherigen Saisonspielen (in Lindau gab es ein ebenfalls recht bitteres 5:7) auch schon am eigenen Leib verspüren müssen. Mit Jared Mudryk (32 Punkte, Platz 4), Herbert Geisberger (25 Punkte, 12.) und Kyle Piwowarczyk (24 Punkte, 15.) haben die Wölfe gleich drei Mann unter den Top 15 Scorern der Liga. Zum Vergleich: Die beiden besten Lindauer Scorer, Florian Lüsch und Andreas Farny stehen mit je 21 Punkten auf den Plätzen 23 und 24.

Allerdings ist das für die Islanders auch kein großes Problem, ist doch die Verantwortung in der Offensive auf viele Schultern verteilt und gerade die Ausgeglichenheit ein großes Plus des EVL. „Dazu kommt, dass wir immer besser als Mannschaft zusammenwachsen“, sagt Dustin Whitecotton. Allerdings hat er für die nächsten Spiele eine sportliche Schwächung hinzunehmen, denn Tim Brunnhuber befindet sich mit der deutschen U20- Nationalmannschaft bei der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft. Schafft der Center den Cut (vier Spieler werden vor der Abreise noch aussortiert) und fährt mit nach Frankreich, wird er sogar sechs Spiele ausfallen.

„Wir sehen das trotzdem absolut positiv, denn es ist eine Auszeichnung für unsere Arbeit“, sagt Präsident Marc Hindelang. „Wir sind als Verein für junge, talentierte Spieler attraktiv, weil sie sich bei uns ohne großen Druck weiterentwickeln können. Es profitieren also beide Seiten von der Situation. Wenn dann ein junger Spieler für Deutschland auflaufen darf, haben wir, allen voran natürlich unser Trainer vieles richtig gemacht.“ Dies sei eine Bestätigung der Lindauer – Ausrichtung, die Signalwirkung an andere Talente in Deutschland habe.

Brunnhuber sportlich zu ersetzen, wird also eine Aufgabe des Lindauer Teams sein, zumal auch Zdenek Cech immer noch ausfällt. Mit der zuletzt gezeigten Einstellung, könnte den Islanders dies allerdings gelingen, auch wenn die Aufgabe in Selb extrem schwer bleibt.