Finale geht über die volle Distanz

  • in

Was die Experten vorausgesehen haben, ist nun eingetreten: Die Finalserie zwischen dem EHC Waldkraiburg und den EV Lindau Islanders geht über die volle Distanz. Im vierten Spiel schlug der Titelverteidiger erneut zurück und gewann am Bodensee mit 5:2 (1.1, 2:1, 2:0). Nun geht es am kommenden Freitag in ein entscheidendes fünftes Finalspiel in Waldkraiburg, ehe der Bayrische Meister 2017 gekrönt werden kann.

Entscheidend war vor der grandiosen Kulisse von 1217 Zuschauern im Eichwald die nahezu 100prozentige Verwertung ihrer Überzahlsituationen durch die Gäste. Die schlugen früh zu, nachdem die Lindauer angesichts der Chance, vor den eigenen Fans Meister zu werden, übermotiviert starteten. Schon nach zwei Minuten gerieten die Lindauer in Unterzahl, die sie gerade überstanden hatten, als EHC Stürmer Nico Vogl im zweiten Nachschuss zum 0:1 traf.

Die Antwort der Lindauer folgte aber schnell. War Petr Heider am erneut exzellenten Björn Linda im Gästetor gescheitert (8.), machte es Troy Bigam nur eine Minute später besser. Mit einem Traumpass von Simon Klingler am Schläger marschierte er alleine auf Linda zu und traf zum schnellen Ausgleich. Danach war die Partie ausgeglichen, beide Mannschaften zeigten den Zuschauern ein erneut hochklassiges Finale, allerdings ohne sich die ganz großen Möglichkeiten zu erspielen.

Dies änderte sich im zweiten Durchgang, in dem die Lindauer eindeutig am Drücker waren. 17:6 Torschüsse zählten die Statistiker zugunsten der Islanders, „aber wir haben an diesem Wochenende keinen Weg gefunden, Tore zu erzielen“, wie EVL- Coach Dustin Whitecotton feststellte. Der hatte Torjäger Jeff Smith zwar mit im Kader, dem bei seinen wenigen Einsätzen trotz großen, vorbildlichen Willens deutlich anzumerken war, dass er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Dazu kam das Pech, dass Marco Miller nach 23 Minuten nur den Pfosten traf und nur wenig später einen Nachschuss knapp vorbeisetzte.

Dazu machten sich die Gastgeber das Leben dann wieder selber schwer: Zum zweiten Mal in Unterzahl geraten, versäumten es die Lindauer die Scheibe zu klären. Sie wurde zentral abgefangen, nach rechts zu Max Kaltenhauser gespielt, dessen Direktschuss nach Exakt 30 Minuten zum 1:2 im Lindauer Tor einschlug.

Aber auch hier fanden die Lindauer aber schnell eine Antwort. Sie erhöhten sofort wieder den Druck, was eine angezeigte Strafe gegen die Löwen nach sich zog. Diese nutzte Philipp Haug mit sechs gegen fünf Feldspielern zwei Minuten später zum Ausgleich. Allerdings gelang es den Lindauern nicht, daraus weitere Energie zu ziehen und erstmals in Führung zu gehen. Wieder gerieten sie in Unterzahl, wieder war Kaltenhauser zur Stelle, diesmal bei einem Abpraller, den er in Zeitlupe über die Linie schob.

Der Rest des Spiels war dann Lindauer Anrennen, das bisweilen trotz größter Bemühungen kopflos wirkte und kluges Verteidigen des EHC. Jiri Mikesz mit der Rückhand und Bigam hatten die größten Chancen, die Linda aber vereitelte. Dennoch waren die Hausherren die bei erneut frühlingshaften Temperaturen, angetrieben von der phantastischen Unterstützung des Lindauer Publikums, alles aus sich herausholten, immer nah dran am Ausgleich – bis sie zum vierten Mal in diesem Spiel in Unterzahl gerieten und wieder bestraft wurden.

Diesmal war es Andreas Paderhuber, der fünf Minuten vor Schluss mit einem verdeckten Schuss Korbinian Sertl zum 2:4 überwand. Die Entscheidung, denn „Waldkraiburg hat das Spiel heute in Überzahl gewonnen. Das ist unsere Lehre für Spiel fünf: Wegbleiben von der Strafbank“, wie Whitecotton feststellte.

Der Lindauer Trainer nahm zwar noch einmal Sertl vom Eis und versuchte mit einem zusätzlichen Stürmer das Unmögliche möglich zu machen. Aber auch hier hatte der EHC die bessere Antwort: Jakub Marek traf anders als vor einer Woche nicht ins eigene, sondern zum 2:5 ins Lindauer Tor (59.) und schickte die Finalserie endgültig in ein fünftes und entscheidendes Spiel am kommenden Freitag in Waldkraiburg.

EV Lindau Islanders – EHC Waldkraiburg 2:5 (1:1, 1:2, 0:2). Tore: 0:1 (04:14) Vogl (Hradek, Hilpert), 1:1 (07:52) Bigam (Sekula, Klingler); 1:2 (30:00) Kaltenhauser (Powerplay – Paderhuber, Hilpert); 2:2 (31:58) Haug (6 gegen 5 – Cech, Heider); 2:3 (36:10) Kaltenhauser (Powerplay – Vrba, Paderhuber); 2:4 (54:29) Paderhuber (Powerplay – Marek, Kaltenhauser); 2:5 (58:11) Marek (Empty Net – Trox). Strafminuten: Lindau 10 – Waldkraiburg 6. Zuschauer 1217.